Aus der Geschichte
Am 23.Mai 1951 fanden sich auf Initiative des Physiklehrers Karl Winkler dreizehn musikbegeisterte Lehrer zu einer gemeinsamen Probe zusammen. Dies war die Geburtsstunde des Lehrerorchesters, welches sich schnell vergrößerte und mit mehr als achtzig Aktiven bald auf volle sinfonische Besetzung anwuchs. Vom Gründungstage an war es das Ziel, klassische Musik wohl zur eigenen Freude, als auch zur Erbauung des Publikums zu spielen.
Von Beginn an befand sich dabei das Lehrerorchester in Trägerschaft der
Lehrergewerkschaft und wurde durch diese nach Kräften gefördert. So konnten
beispielsweise Instrumente gekauft werden und besonders musikalische Kollegen
bekamen die Möglichkeit, auch auf anderen Instrumenten das Spiel zu erlernen.
Geprobt wurde zu dieser Zeit in geeigneten Räumen von Schulen. Für größere und
anspruchsvolle Projekte stellte die Gewerkschaft mehrmals Ferienheime außerhalb
der Saison für intensive Probenarbeit zur Verfügung.
Erste öffentliche
Konzerte fanden damals in Dörfern statt, wo sie von engagierten Bürgermeistern
oder Schulleitern organisiert wurden. Dabei entstand eine Art Lehrkonzert für
Schüler und Eltern. Nach einem Eröffnungsstück stellte der Kapellmeister
einzelne Instrumente vor, erklärte ihre Eigenart und Spielweise und ließ sie
dann anspielen. Danach folgten kleinere Stücke von großen Meistern, die geeignet
waren, einen Konzert- oder Opernbesuch vorzubereiten. Weiterhin wirkte das
Lehrerorchester bei der musikalischen Umrahmung der verschiedensten
gewerkschaftlichen und schulischen Feierlichkeiten mit. Anerkennung fanden auch
die Kammermusikgruppen des Lehrerorchesters. Zu nennen wäre hier ein
Bläserquintett und mehrere Streichquartette. Partner zum gemeinsamen Musizieren
fanden sich in Mähren, in Bulgarien und zuletzt auch in Bayern (Nürnberg).
Im Laufe der Zeit erreichte das Lehrerorchester durch beharrliche Probenarbeit die Fähigkeit, auch größere Instrumentalkonzerte oder ganze Sinfonien aufzuführen. Diese Leistungssteigerung, verbunden mit der Teilnahme an Festspielen und Wettbewerben, wäre aus der Laienarbeit allein nicht möglich gewesen. So wurde das Lehrerorchester stets von Berufsmusikern der Musikalischen Komödie und der Rundfunkorchester Leipzigs mit Rat und Tat unterstützt. Alle - Karl Winkler nachfolgenden - Dirigenten kommen aus den genannten Klangkörpern. So ist das Lehrerorchester besonders seinen vorherigen Dirigenten Hellmuth Schack und Werner Lorenz für ihre akribische Arbeit mit dem Orchester dankbar. Der jetzige Dirigent des Lehrerorchesters ist Gerd-Eckehard Meißner. Er dirigiert das Lehrerorchester nun schon seit über zwanzig Jahren und unter seiner Leitung konnte eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Lehrerorchesters erreicht werden.
In der Zeit seines Bestehens wandelte sich natürlich das Lehrerorchester. Es wurde zu einem der Ensembles, die am Haus der Lehrer angesiedelt waren. Hier fanden nun auch die wöchentlichen Proben statt, da in den Schulen Proben- und Nebenräume nicht mehr zur Verfügung standen. Auch die personelle Zusammensetzung des Lehrerorchesters veränderte sich. Waren zur Gründungszeit ausschließlich Lehrer im Orchester vertreten, wurden schon wenige Jahre später gezielt "Spezialisten" auf ihren Instrumenten gesucht, kamen nach und nach Orchestermitglieder aus vielen anderen Berufen (Technik, Medizin, Handwerk, Verwaltung) und auch Studenten hinzu. Eigentlich trifft der Name Lehrerorchester von seiner personellen Zusammensetzung her gar nicht mehr zu, aber aus Tradition wird dieser Name natürlich beibehalten. Unter dem Dirigenten Werner Lorenz wurde es üblich, daß das Lehrerorchester (außer den schon genannten Veranstaltungen) zwei Konzerte im Jahr gab. Dieser Brauch wurde und wird durch unsen jetzigen Dirigenten Gerd-Eckehard Meißner weitergeführt. Anfangs fanden diese Konzerte im Festsaal des Alten Rathauses statt, später dann und bis heute im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses zu Leipzig. Dem künstlerischen Leiter und den Orchesterorganisatoren gelang es bisher stets, diese gut besuchten Konzerte gründlich vorzubereiten und zum Ereignis für Mitwirkende und Zuhörer werden zu lassen.
Neugründung zum Leipziger Lehrerorchester e.V.
Im Jahre 1990 mußte sich das Lehrerorchester als Verein neu gründen und ließ sich unter dem Traditionsnamen "Leipziger Lehrerorchester e.V." in das Vereinsregister eintragen. Außerdem mußte ein neues Domizil mit angemessenem Probenraum und sicherem Nebengelaß gefunden werden. Diese guten Bedingungen wurde im Leipziger Altenheim ,,Martin Andersen-Nexö" gefunden. Unter der zielstrebigen künstlerischen Leitung von Gerd-Eckehard Meißner ist in diesen Jahren das Lehrerorchester an seinen Aufgaben gewachsen. Außer den jeweils zwei Konzerten im Jahr besteht zusätzlich eine gute Zusammenarbeit mit der Neuen Chopin-Gesellschaft Leipzig und mit der Institution ,,Jugend musiziert". Mit diesen beiden Einrichtungen wurden und werden unter der bewährten Leitung von Gerd-Eckehard Meißner weitere Konzerte bestritten. Sehr gern gibt das Orchester Studenten des Konservatoriums, sowie anderen Nachwuchskünstlern die Gelegenheit, Aufführungspraxis im Solospiel mit Orchester zu erwerben. Musiker der in Leipzig ansässigen Berufsorchester nehmen ebenfalls gern die Möglichkeit wahr, als Solisten mit dem Orchester zu konzertieren. Von Zeit zu Zeit musiziert das Leipziger Lehrerorchester auch mit Chören zusammen.
Seit dem Jahr 1991 ist das Lehrerorchester Mitglied im Landesverband Sächischer Liebhaberorchester unter dem Dachverband des Bundes deutscher Liebhaberorchester - BDLO. Im Landesverband ist der Verein im Mitgliedsregister unter der Nummer 1 eingetragen ...
Im Mai 2001 konnte das Orchesterauf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. In Vorbereitung auf das Festkonzert gelang es dem Vorstand, einige der Aktivisten von einst "ausfindig" zu machen und als Ehrengäste einzuladen und auch viele ehemalige Mitstreiter ließen es sich nicht nehmen, ihrem Orchester die Ehre zu erweisen, auch wenn sie mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen mußten.
In den letzten Jahren gelang es immer wieder, neue Mitglieder zu gewinnen, die je nach Berufs-, bzw. Ausbildungsstand eine kürzere oder längere Zeit im Orchester verbrachten oder bleiben konnten. Im Orchester musizieren mittlerweile 4 Generationen miteinander und dieses Gefüge läßt durchaus ein familiäres Gefühl aufkommen, getragen von gegenseitigem Respekt und Anerkennung. So manche(r), der das Orchester verließ, gab zu, diese schöne Atmosphäre sehr zu vermissen. Dies sei auch weiterhin eine wichtige Aufgabe des Orchestervereins, um sich und seinen Platz in der Leipziger Kulturlandschaft zu erhalten und weiterentwickeln zu können.